Was eine Zufallsgröße ist
- Wie unterscheidet sich \(X\) von einem einzelnen Ergebnis?
- Was bedeutet die Schreibweise \(P(X = 3)\)?
Zufallsgröße
Eine Zufallsgröße, auch Zufallsvariable genannt, ist eine Funktion, die den Elementen einer Ergebnismenge eines Zufallsexperimentes reelle Zahlen zuordnet.

Üblicherweise werden Zufallsgrößen mit Großbuchstaben und die einzelnen Werte mit Kleinbuchstaben notiert.
Da die Werte einer Zufallsgröße reelle Zahlen sind, kann man für Zufallsgrößen charakteristische "Kennzahlen" wie Erwartungswert, Varianz und Standardabweichung definieren und berechnen.
Diskrete Zufallsgröße
Diskrete Zufallsgrößen können nur endlich viele Werte annehmen. Zum Beispiel:
- Die Anzahl der an einem Tag anwesenden Schüler in einer Klasse
- Die Augenzahl bei einem Würfelwurf
Schreibweise für die Wahrscheinlichkeit
Um anzugeben, dass die Zufallsgröße \(\text X\) mit der Wahrscheinlichkeit \(p\) den Wert \(k\) annimmt, schreibt man
$$P(X=k)=p$$Beispiel
Ein Spieler wirft zwei unterscheidbare Münzen.
Der Ergebnisraum ist also \(\Omega=\{(\text{Kopf (K)};\text{Zahl (Z)}),(\text Z;\text K),(\text K;\text K),(\text Z;\text Z)\}\)
Die Zufallsgröße \(\text X\) ordnet jetzt zum Beispiel jedem dieser Ergebnisse die Anzahl der vorkommenden "Kopf-Würfe" zu. Also
\(\text X((\text Z;\text K))=1\)
\(\text X((\text K;\text Z))=1\)
\(\text X((\text K;\text K))=2\)
\(\text X((\text Z;\text Z))=0\)
Die Wahrscheinlichkeiten dieser Ereignisse sind die folgenden drei:
\(\displaystyle\text P(\text X=1)=\frac12\\\)
\(\displaystyle\text P(\text X=2)=\frac14\\\)
\(\displaystyle\text P(\text X=0)=\frac14\)
Stetige Zufallsgröße
Eine Zufallsgröße heißt stetig, wenn sie keine Lücken hat, also alle Werte in einem Intervall annehmen kann. Zum Beispiel:
- Die Körpergröße eines Menschen
- Die Verspätung einer U-Bahn
Wahrscheinlichkeit
Da eine stetige Zufallsvariable in einem Intervall unendlich viele Werte annehmen kann, schrumpft die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein bestimmter Wert in diesem Intervall eintritt, auf \(0\).
Stattdessen kann man aber angeben, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, dass die Zufallsvariable \(\text X\) höchstens den Wert \(k\) annimmt. Ist die Wahrscheinlichkeit dafür zum Beispiel \(p\), so schreibt man
\(\text P(\text X\leq k)=p\).
Beispiel
Beim Abfüllen von \(500\;\text{g}\) Kaffee in Kaffeepackungen können Fehler auftreten. Die Zufallsvariable \(\text X\), welche das Gewicht in Gramm angibt, kann also alle Werte von \(0\) bis \(\infty\) annehmen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von \(95\;\% \) liegen die Werte aber zwischen \(495\;\text{g} \) und \(505\;\text{g}\). Man schreibt:
\(\text P(495\leq\text X\leq505)=0,95\)
Ausprägungen einer Zufallsgröße
Die verschiedenen Werte, die die Zufallsgröße annehmen kann, bezeichnet man als die Ausprägungen der Zufallsgröße.
Beispiel
Die Zufallsgröße \(\text X\), die bei einem zweimaligen Würfelwurf jedem Ereignis die Summe der Augenzahlen zuordnet, hat die Ausprägungen \(2\), \(3\), \(4\), \(5\), \(…\), \(11\), \(12\).
Stetige Zufallsgrößen in diskrete umwandeln
Man kann aus jeder stetigen Zufallsgröße eine diskrete machen, indem man Teilintervalle jeweils einer konkreten Zahl zuordnet.
Beispiel
Die Verspätung einer U-Bahn kann man als stetige Zufallsgröße betrachten. Hier wäre \(\Omega=[ 0 \text{ Sekunden}, \infty\text{ Sekunden}[\). Die Zufallsvariable \(\text X\) hätte die Ausprägung \([0,\infty[\). Um \(\text X\) in eine diskrete Zufallsvariable umzuwandeln, teilt man dieses Intervall in kleinere Intervalle und ordnet diesen konkreten Zahlen zu. Also
$$\text X(x)=\begin{cases}1, &\text{wenn}& 0\leq x<60\\2,&\text{wenn}& 60\leq x<120\\3,&\text{wenn}& 120\leq x<180\\4,&\text{wenn}& 180\leq x<240\\5,&\text{wenn}& 240\leq x\end{cases}$$Verteilungsfunktion
Die Verteilungsfunktion \(F_X\) einer Zufallsgröße \(X\) ordnet jeder Zahl \(k\) aus \(\mathbb R\) die Wahrscheinlichkeit zu, mit der \(X\) höchstens den Wert \(k\) annimmt.
Man schreibt:
\(F_X(k):=\mathrm P\left(\mathrm X\leq\mathrm k\right)\)
Erklärung von Serlo Education e. V., lizenziert unter CC BY-SA 4.0 – Original bei Serlo, CC BY-SA 4.0, übernommen am 2026-09-03.
Schlau Fassung
Was eine Zufallsgröße ist
- Eine Zufallsgröße ist eine Übersetzung in Zahlen. Sie ordnet jedem Ergebnis eines Zufallsversuchs genau eine Zahl zu und macht das Ergebnis damit rechenbar.
- Beispiele: Anzahl der Wappen bei drei Münzwürfen; Augensumme zweier Würfel; Gewinn in Euro bei einem Glücksrad; Anzahl fehlerhafter Teile in einer Stichprobe.
- Groß und klein: \(X\) ist die Zufallsgröße selbst, \(x\) ein einzelner Wert, den sie annehmen kann. \(P(X = 3)\) heißt: die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsgröße den Wert 3 annimmt.
- Mehrere Ergebnisse, ein Wert: Bei zwei Würfeln führen \((1,3)\), \((2,2)\) und \((3,1)\) alle zur Augensumme 4. Deshalb ist \(P(X=4) = \frac{3}{36}\).
- Nicht jede Zahl im Versuch ist eine Zufallsgröße: Die Anzahl der Würfel ist vorher festgelegt und damit keine.
Aufgaben
- Nenne zwei mögliche Zufallsgrößen beim dreifachen Münzwurf.
Lösung
Anzahl der Wappen; Anzahl der Wechsel zwischen Kopf und Wappen. - Was bedeutet \(P(X=2)=0{,}3\)?
Lösung
Mit 30 % Wahrscheinlichkeit nimmt die Zufallsgröße den Wert 2 an. - Wie viele Ergebnisse führen bei zwei Würfeln zur Augensumme 4?
Lösung
Drei: (1,3), (2,2), (3,1).
Weiterführende Aufgaben
- Definiert zu einem selbst gewählten Versuch drei verschiedene Zufallsgrößen und beschreibt, welche Frage jede von ihnen beantwortet.