Den Erwartungswert berechnen
- Wie lautet die Formel – und warum wird gewichtet?
- Was ist die Standardabweichung zusätzlich?
Erwartungswert
Der Erwartungswert ist ein Wert in der Stochastik und kommt im Zusammenhang mit Zufallsgrößen vor. Man kann sagen, der Erwartungswert festigt sich als Mittelwert der Ergebnisse bei mehrmaligem Wiederholen eines Experiments.
Der Erwartungswert sollte nicht mit dem arithmetischen Mittel verwechselt werden, hängt aber mit ihm zusammen.
Zum Beispiel erwartet man beim 6-maligen Werfen eines fairen Würfels einmal die Zahl "5" und durchschnittlich die Augenzahl 3,5. Wenn man den Würfel 6-mal wirft, kann die Zahl "5" jedoch 0- bis 6-mal auftreten und die durchschnittliche Augenzahl im Intervall von 1 bis 6 liegen.
Berechnung
Diskrete Zufallsvariablen
Formel
Für eine diskrete Zufallsgröße \(\text{X}\) mit Werten \(x_1,x_2\dots,x_n\) und deren Wahrscheinlichkeiten \(\text{P}(\text{X}=x_i)\) berechnet man den Erwartungswert, den man normalerweise mit \(\text E (\text X )\) oder \(\mu\) bezeichnet, wie folgt.
\(\displaystyle \begin{array}{c c l}\text E (\text X) & = & x_1\cdot\text P (\text X =x_1) +x_2\cdot\text P (\text X =x_2) +\cdots+x_n\cdot\text P (\text X =x_n) \\ & = & \sum\limits_{i=1}^{n}x_i\cdot\text P (\text X = x_i)\end{array}\)
Der Erwartungswert berechnet sich also als Summe der Produkte von Wert und dessen Wahrscheinlichkeit.
Beispiel
Werfen von zwei Laplace-Würfeln. Die Werte der Zufallsgröße \(\text X\) sind genau die Summe der Augenzahlen.
\(\displaystyle \begin{array} {c | c | c | c | c | c | c | c | c | c | c | c | c}x & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10 & 11 & 12\\\hline \text P(\text X = x) & \frac{1}{36} & \frac{2}{36} & \frac{3}{36} & \frac{4}{36} & \frac{5}{36} & \frac{6}{36} & \frac{5}{36} & \frac{4}{36} & \frac{3}{36} & \frac{2}{36} & \frac{1}{36}\end{array}\)
Damit ergibt sich für den Erwartungswert für dieses Experiment.
\(\displaystyle \begin{array}{c c l} \text E(\text X)& = & 2\cdot\frac{1}{36}+3\cdot\frac{2}{36}+4\cdot\frac{3}{36}+5\cdot\frac{4}{36}+6\cdot\frac{5}{36}+7\cdot\frac{6}{36}\\ & & +\,8\cdot\frac{5}{36}+9\cdot\frac{4}{36}+10\cdot\frac{3}{36}+11\cdot\frac{2}{36}+12\cdot\frac{1}{36}\\ & = & 7\end{array}\)
Dies bedeutet also, dass man beim Werfen von zwei fairen Würfeln im Mittel eine "7" würfelt.
Stetige Zufallsvariablen
Formel
Für eine stetige Zufallsvariable \(\text X\) mit Werten in \([\text a,\text b]\) und Dichtefunktion \(f\) berechnet man den Erwartungswert, den man auch hier mit \(\text E(\text X)\) oder \(\mu\) bezeichnet, wie folgt.
\(\displaystyle\text E(\text X)=\int\limits_{a}^{b}x\cdot f(x)\text dx\)
Der Erwartungswert berechnet sich also als Integral über das Produkt der Ergebnisse und der Dichtefunktion der Verteilung.
Beispiel
Die Verspätung einer U-Bahn sei mit folgender Dichtefunktion (\(x\) ist die Minute, in der die U-Bahn eintrifft) gegeben
\(f(x)=\begin{cases}0,8-0,32x & \text{ für } & 0\leq x\leq2,5\\0 & \text { für } & \text{sonst} \end{cases}\)

Daraus ergibt sich für den Erwartungswert dieses Experimentes
\(\displaystyle\text E(\text X)=\int\limits_0^{2,5}x\cdot f(x)\text{d}x=\int\limits_0^{2,5}x\cdot(0,8-0,32x)\,\text dx=0,8\overline{3}\)
Das bedeutet, die U-Bahn hat im Schnitt \(0,8\overline3\) Minuten, das sind \(50\) Sekunden, Verspätung.
Rechenregeln
- Erwartungswert von Summen von Zufallsvariablen. X und Y sind hier zwei verschiedene Zufallsvariablen.
\(E(X+Y)=E(X)+E(Y)\)
- Linearität: \(c\) und \(d\) sind hier Konstanten und \(\text X\) eine Zufallsvariable.
\(E(c\cdot X+d)=c\cdot E(X)+d\), also auch
\(E(c\cdot X)=c\cdot E(X)\) und
\(E(d)=d\)
- Erwartungswert von Produkten von unabhängigen Zufallsvariablen. \(\text X\) und \(\text Y\) sind hier unabhängige Zufallsvariablen.
\(E(X\cdot Y)=E(X)\cdot E(Y)\)
Wichtige Erwartungswerte
Beispielaufgabe
Erklärung von Serlo Education e. V., lizenziert unter CC BY-SA 4.0 – Original bei Serlo, CC BY-SA 4.0, übernommen am 2026-09-03.
Schlau Fassung
Den Erwartungswert berechnen
- Die Formel: \(E(X) = x_1\cdot P(X=x_1) + x_2\cdot P(X=x_2) + \dots\) Jeder Wert wird mit seiner Wahrscheinlichkeit multipliziert, dann wird summiert.
- Warum gewichtet wird: Ein Wert, der häufig vorkommt, soll den Durchschnitt stärker prägen als ein seltener. Bei gleich wahrscheinlichen Werten wird daraus der gewöhnliche Mittelwert.
- Beim Glücksspiel rechnet man mit dem GEWINN, also Auszahlung minus Einsatz. Wer den Einsatz vergisst, bekommt ein zu freundliches Ergebnis – das ist der häufigste Fehler in diesen Aufgaben.
- Beispiel: Einsatz 1 €, mit Wahrscheinlichkeit \(\frac{1}{6}\) gibt es 5 € zurück. \(E = \frac{1}{6}\cdot 4 + \frac{5}{6}\cdot(-1) = -\frac{1}{6} \approx -0{,}17\) € je Spiel.
- Die Standardabweichung \(\sigma\) misst zusätzlich, wie stark die Werte um den Erwartungswert streuen. Zwei Spiele können denselben Erwartungswert haben und sich im Risiko völlig unterscheiden.
Aufgaben
- Ein Glücksrad zahlt mit \(P=0{,}2\) genau 10 € aus, sonst nichts. Einsatz 3 €. Erwartungswert?
Lösung
\(0{,}2\cdot 7 + 0{,}8\cdot(-3) = 1{,}4-2{,}4 = -1{,}0\) €. - Warum muss der Einsatz abgezogen werden?
Lösung
Gefragt ist der Gewinn, nicht die Auszahlung. - Was misst die Standardabweichung?
Lösung
Die durchschnittliche Streuung der Werte um den Erwartungswert.
Weiterführende Aufgaben
- Entwerft ein Glücksrad, das für die Klassenkasse pro Spiel im Mittel 50 Cent einbringt, und legt die Gewinne offen.