Binomialverteilung

Stochastik Klasse 10
  • Woran erkennt man, dass eine Aufgabe binomialverteilt ist?
  • Wozu dient der Binomialkoeffizient in der Formel?
  • Wie berechnet man „mindestens“ und „höchstens“?

Themen in diesem Bereich

Binomialverteilung

Die Binomialverteilung beschreibt Wahrscheinlichkeiten von Bernoulli-Ketten, also einer Folge von Bernoulli-Experimenten.

Will man die Wahrscheinlichkeit von \(k\) Treffern eines Ereignisses mit der Wahrscheinlichkeit \(p\) in einer Bernoulli-Kette der Länge \(n\) berechnen, benutzt man den Binomialkoeffizienten und berechnet:

$$B\; (n,p,k)=\binom nk\cdot p^k\cdot (1-p)^{n-k}$$

Herleitung der Formel

Beispiel: Ein Würfel wird zehnmal geworfen und festgestellt, ob eine Sechs gewürfelt wurde.

Man kann sich überlegen, wie eine Reihe von zehn Würfen mit vier Sechsen aussehen kann, z.B.:

  • \(6,6,6,6,\overline{6},\overline{6},\overline{6},\overline{6},\overline{6},\overline{6}\) oder
  • \(\overline{6},6,6,6,6,\overline{6},\overline{6},\overline{6},\overline{6},\overline{6}\) oder
  • \(6,\overline{6},6,\overline{6},6,\overline{6},\overline{6},\overline{6},6,\overline{6}\)

wobei \(\overline{6}\) der Wurf einer "nicht Sechs" bedeutet.

Alle Möglichkeiten aufzuzählen, dauert lange. Sehr lange. Schneller geht es, wenn man direkt die Wahrscheinlichkeiten betrachtet.

Die Wahrscheinlichkeit für den oben als erstes aufgelisteten Fall ist:

\(\frac{1}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}=\left(\frac{1}{6}\right)^4\cdot\left(\frac{5}{6}\right)^6\)

Die Wahrscheinlichkeit für den zweiten ist:

\(\frac{5}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}=\left(\frac{1}{6}\right)^4\cdot\left(\frac{5}{6}\right)^6\)

und für den dritten:

\(\frac{1}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}\cdot\frac{1}{6}\cdot\frac{5}{6}=\left(\frac{1}{6}\right)^4\cdot\left(\frac{5}{6}\right)^6\)

Kurz: alle möglichen Fälle haben dieselbe Wahrscheinlichkeit, nämlich \(\left(\frac16\right)^4\cdot\left(\frac56\right)^6\).

Es bleibt nur die Frage, wie viele Fälle es gibt! Wie viele Möglichkeiten gibt es 4 aus 10 auszuwählen?

\(\Rightarrow \binom{10}{4}=\displaystyle\frac{10!}{4!\cdot(10-4)!}=210\)

Insgesamt sieht die Berechnung der Wahrscheinlichkeit also so aus:

$$P(\text{"4 mal 6 in 10 Würfen"})=\binom{10}{4}\cdot\left(\frac{1}{6}\right)^4\cdot\left(\frac{5}{6}\right)^6=:B(10,\frac{1}{6},4)$$

Allgemein: \(B(n,p,k)=\binom nk\cdot p^k\cdot (1-p)^{n-k}\)

Erwartungswert und Varianz

  • Erwartungswert bei Bernoulli:

    $$\mathrm E(X)\;=\;n\;\cdot\;p$$
  • Varianz bei Bernoulli:

    $$\mathrm V(X)\;=\;n\;\cdot\;p\;\cdot\;(1-p)$$

Beispiele für Aufgabentypen 

Im Folgenden sei \(n=4\) und \(p=\frac13\). Berechne die Wahrscheinlichkeit für…

1.  …genau zwei Treffer:

\(\begin{array}{rcl}B\;(4;\frac13;2)&=&\binom 42\cdot\left(\frac13\right)^2\cdot\left(\frac23\right)^2\\&\approx&0,296\end{array}\)

2. …höchstens zwei Treffer: \(\;\)

\(\begin{array}{rcl}B(4;\frac{1}{3};k\le2)&=&\binom{4}{0}\cdot\left(\frac{1}{3}\right)^0\cdot\left(\frac{2}{3}\right)^4+\binom{4}{1}\cdot\left(\frac{1}{3}\right)^1\cdot\left(\frac{2}{3}\right)^3+\binom{4}{2}\cdot\left(\frac{1}{3}\right)^2\cdot\left(\frac{2}{3}\right)^2\\&\approx&0,889\end{array}\)

3. …mindestens zwei Treffer:

\(\begin{array}{rcl}B(4;\frac13;k\geq2)&=&1- B(4;\frac13;k<2)= 1- B(4;\frac13;k\leq 1)\\&=&1-\binom 40\cdot\left(\frac13\right)^0\cdot\left(\frac23\right)^4-\binom 41\cdot\left(\frac13\right)^1\cdot\left(\frac23\right)^3\\&\approx&0,407\end{array}\)

4. …mehr als zwei Treffer:

\(\begin{array}{rcl}B(4;\frac{1}{3};k>2)&=&1-B(4;\frac{1}{3};k\le2)\\&\approx&0,111\end{array}\)

5. …weniger als zwei Treffer:

\(\begin{array}{rcl}B(4;\frac13;k<2)&=&\mathrm B(4;\frac13;k\leq 1)\\&\approx&0,593\end{array}\)

6. …mehr als einer und weniger als vier Treffer:

\(\begin{array}{rcl}B(4;\frac13;1

Erklärung von Serlo Education e. V., lizenziert unter CC BY-SA 4.0 – Original bei Serlo, CC BY-SA 4.0, übernommen am 2026-09-03.

Schlau Fassung

Die Binomialverteilung

  • Sie beantwortet eine sehr häufige Frage: Wie wahrscheinlich ist es, bei \(n\) gleichartigen Versuchen genau \(k\) Treffer zu erzielen?
  • Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Jeder Versuch hat nur zwei Ausgänge (Treffer/Niete), die Trefferwahrscheinlichkeit \(p\) bleibt konstant, und die Versuche sind unabhängig. Das nennt man eine Bernoulli-Kette.
  • Die Formel: \(P(X=k) = \binom{n}{k}\, p^k\, (1-p)^{n-k}\).
  • Jeder Faktor hat eine Bedeutung: \(p^k\) für die Treffer, \((1-p)^{n-k}\) für die Nieten – das ist ein einzelner Pfad. Der Binomialkoeffizient \(\binom{n}{k}\) zählt, auf wie viele Arten sich die \(k\) Treffer auf die \(n\) Versuche verteilen können.
  • Kennzahlen: \(E(X) = n\cdot p\) und \(\sigma = \sqrt{n\,p\,(1-p)}\). Bei 100 Würfen mit \(p = \frac{1}{6}\) erwartet man rund 17 Sechsen.
  • „Mindestens“ über das Gegenereignis: \(P(X \ge 1) = 1 - P(X = 0)\). Das spart bei großen \(n\) sehr viel Rechnung.

Aufgaben

  1. Nenne die drei Voraussetzungen einer Bernoulli-Kette.
    LösungZwei Ausgänge, konstantes \(p\), unabhängige Versuche.
  2. Berechne den Erwartungswert bei \(n=50\), \(p=0{,}2\).
    Lösung\(E(X) = 10\).
  3. Wozu dient \(\binom{n}{k}\)?
    LösungEr zählt die Anordnungen der \(k\) Treffer auf \(n\) Versuche.

Weiterführende Aufgaben

  1. Prüft an drei Aufgaben, ob die Voraussetzungen wirklich erfüllt sind. Warum ist Ziehen ohne Zurücklegen streng genommen nicht binomialverteilt?

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