Was bedingte Wahrscheinlichkeit bedeutet

Stochastik Klasse 10
  • Wieso wird der Ergebnisraum durch eine Bedingung kleiner?
  • Wie liest man den Strich in \(P(A|B)\)?

Einführendes Beispiel zur bedingten Wahrscheinlichkeit

In diesem Beispiel lernst du die ersten wichtigen Begriffe zum Thema kennen.

by gnokii  on openclipart.org

In einer Pralinenschachtel befinden sich 20 Pralinen.

12 Pralinen haben einen braunen Schokoladenüberzug, 8 einen aus weißer Schokolade.

Auf der Rückseite der Packung steht, dass 11 Pralinen eine Nougatfüllung haben, 8 der braunen Pralinen und 3 der Pralinen mit weißer Schokolade.

Tom darf ohne hinzusehen eine Praline nehmen.

Dann kannst du diese Fragen stellen:

a) Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er eine mit braunem Überzug zieht?

Diese Wahrscheinlichkeit dieses Laplace-Experiments berechnest du als

$$P(\text{braun})=\frac{12}{20}$$

b) Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er eine mit Nougatfüllung zieht? Die Rechnung ist

$$P(\text{Nougat})=\frac{11}{20}$$

c) Tom nimmt eine Praline und sieht, dass sie weiß ist. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er eine Praline mit Nougatfüllung hat?

Diesmal ist die Wahrscheinlichkeit

$$P_\text{w}(\text{Nougat})=\frac{3}{8}$$

Erklärung: Die Wahrscheinlichkeit von \(P_\text{w}(\text{Nougat})=\frac{3}{8}\) ist eine andere als die

Wahrscheinlichkeit \(P(\text{Nougat})=\frac{11}{20}\).

Bei der Berechnung von \(P(\text{Nougat}) \) weiß Tom nichts über die Praline, die er zieht.

Bei der Berechnung von \(P_\text{w}(\text{Nougat})\) weiß Tom schon, dass er eine mit weißer Schokolade gezogen hat.

Es ist bereits eine „Bedingung“ (weiße Praline) bekannt.

Definition: \(P_B( A) \) ist die Wahrscheinlichkeit, dass \(A\) eintritt, wenn bereits bekannt ist, dass \(B\) eingetreten ist.

Eine andere Schreibweise ist auch \(P(A|B)\) .

In unserem Beispiel ist \( P_\text{w} (\text{Nougat} ) \) die Wahrscheinlichkeit, dass eine Praline mit Nougat gezogen wurde, wenn ich bereits weiß, dass sie weiß ist.

Man kann sich den Unterschied auch an einem Baumdiagramm deutlich machen:

mit der zweiten Pfadregel kann man \(P(\text{Nougat})\) berechen:

$$P(\text{Nougat})=\frac{12}{20}\cdot\frac{8}{12}+\frac{8}{20}\cdot\frac{3}{8}=\frac{11}{20}$$

Die Wahrscheinlichkeit \(P_\text{w} (\text{Nougat} )\) kann man direkt im Baumdiagramm ablesen:

$$P_\text{w} (\text{Nougat} )=\frac{3}{8}$$

Erklärung von Serlo Education e. V., lizenziert unter CC BY-SA 4.0 – Original bei Serlo, CC BY-SA 4.0, übernommen am 2026-09-03.

Schlau Fassung

Was bedingte Wahrscheinlichkeit bedeutet

  • Der Strich bedeutet „gegeben“, nicht „geteilt“. \(P(A|B)\) liest man „Wahrscheinlichkeit von \(A\), gegeben \(B\)“.
  • Was geschieht: Die Information „\(B\) ist eingetreten“ streicht alle Ergebnisse außerhalb von \(B\). Übrig bleibt ein kleinerer Ergebnisraum, und darin wird neu gerechnet.
  • Deshalb der Nenner \(P(B)\): Er normiert den verkleinerten Raum wieder auf die Gesamtwahrscheinlichkeit 1.
  • Ein Alltagsbeispiel: In einer Klasse mit 30 Kindern spielen 12 Fußball, davon sind 5 Mädchen; insgesamt sind 14 Mädchen in der Klasse. \(P(\text{Mädchen}|\text{Fußball}) = \frac{5}{12}\), aber \(P(\text{Fußball}|\text{Mädchen}) = \frac{5}{14}\). Zwei Fragen, zwei Antworten.
  • Merksatz: Was hinter dem Strich steht, ist die neue Grundgesamtheit – und steht deshalb im Nenner.

Aufgaben

  1. Wie liest man \(P(A|B)\)?
    Lösung„Wahrscheinlichkeit von \(A\) unter der Bedingung \(B\)“.
  2. Berechne im Klassenbeispiel \(P(\text{Fußball}|\text{Mädchen})\).
    Lösung\(\frac{5}{14}\).
  3. Warum steht \(P(B)\) im Nenner?
    Lösung\(B\) ist die neue Grundgesamtheit und muss auf 1 normiert werden.

Weiterführende Aufgaben

  1. Erhebt in eurer Klasse zwei Merkmale (etwa Sportart und Schulweg) und berechnet beide Richtungen der bedingten Wahrscheinlichkeit.

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