Stetigkeit und Sprungstellen

Funktionen Klasse 10
  • Welche Arten von Unstetigkeit gibt es?
  • Warum ist eine hebbare Lücke etwas anderes als ein Sprung?

Stetigkeit

Eine Funktion \(f\) heißt genau dann stetig an einer Stelle \(x_0\), wenn der Funktionswert an dieser Stelle mit sowohl dem links- als auch rechtsseitigem Grenzwert identisch ist, d.h. wenn gilt:

\(f(x_0)=\lim_{x\rightarrow x_0^-}f(x)=\lim_{x\rightarrow x_0^+}f(x)\)

Eine an allen Stellen des Definitionsbereichs stetige Funktion wird allgemein als stetig bezeichnet.

Umgekehrt nennt man eine Funktion unstetig, wenn obige Bedingung an mindestens einer Stelle ihres Definitionsbereichs nicht erfüllt ist.

Anschauliche Darstellung

Eine stetige Funktion hat die Eigenschaft, dass ihr Graph an keiner Stelle einen Sprung macht. Du kannst den Graphen der Funktion also "in einem Zug, ohne Absetzen" zeichnen. Entsprechend besitzt eine unstetige Funktion sogenannte Unstetigkeitsstellen (z.B. Sprünge). Folgende Funktion ist beispielsweise unstetig:

Unstetige Funktion

Epsilon-Delta-Definition der Stetigkeit

Alternative Definition von Stetigkeit

Eine Funktion \(f\) nennt man stetig im Punkt \(x\), wenn es für jedes \(\varepsilon>0\) ein \(\delta>0\) gibt, sodass für alle \(x'\in\;\rbrack x-\delta,x+\delta\lbrack\) gilt: \(\left|f(x)-f(x')\right|<\varepsilon\)

Ausführliche Erläuterung der Epsilon-Delta-Definition

Der Ausdruck \(\left|f(x)-f(x')\right|\) ganz am Schluss bezeichnet den Abstand der Funktionswerte von \(x\) und \(x'\). Wir wollen, dass stetige Funktionen folgende Eigenschaft haben: Wenn uns jemand einen Abstand \(\varepsilon\) vorgibt, können wir einen Bereich um \(x\) wählen, in dem der Abstand der Funktionswerte niemals größer als dieses \(\varepsilon\)  wird. Diesen Bereich wählen wir symmetrisch um \(x\) durch das Intervall \(\rbrack x-\delta,x+\delta\lbrack\). Wenn wir für jedes \(\varepsilon\) so eine Delta-Umgebung von x finden können, in der die Funktionswerte den \(\varepsilon\) -Abstand einhalten, dann ist die Funktion im Punkt \(x\) stetig.

Erklärung von Serlo Education e. V., lizenziert unter CC BY-SA 4.0 – Original bei Serlo, CC BY-SA 4.0, übernommen am 2026-09-03.

Schlau Fassung

Stetigkeit und Sprungstellen

  • Stetig an der Stelle \(a\) heißt: \(f(a)\) existiert, der Grenzwert existiert, und beide sind gleich. Fehlt eines davon, ist die Funktion dort unstetig.
  • Hebbare Lücke: Der Grenzwert existiert, nur der Funktionswert fehlt. \(\dfrac{x^2-4}{x-2}\) hat bei \(x=2\) ein Loch – man könnte es durch die Festlegung \(f(2)=4\) schließen, deshalb „hebbar“.
  • Sprungstelle: Linker und rechter Grenzwert existieren, sind aber verschieden. Typisch bei abschnittsweise definierten Funktionen – etwa einem Portotarif, der ab einem Gewicht schlagartig teurer wird.
  • Polstelle: Die Werte wachsen betragsmäßig über alle Grenzen, wie bei \(\dfrac{1}{x}\) an der Stelle 0. Hier ist nichts zu heben.
  • Warum das wichtig ist: Nur stetige Funktionen dürfen an dieser Stelle abgeleitet werden, und viele Sätze der Analysis setzen Stetigkeit voraus. Der Zwischenwertsatz etwa garantiert eine Nullstelle nur für stetige Funktionen.

Aufgaben

  1. Welche Art von Unstetigkeit liegt bei \(f(x) = \dfrac{1}{x}\) an der Stelle 0 vor?
    LösungEine Polstelle.
  2. Warum heißt eine Lücke „hebbar“?
    LösungWeil man durch eine passende Festlegung des Funktionswerts Stetigkeit herstellen kann.
  3. Nenne ein Alltagsbeispiel für eine Sprungstelle.
    LösungPortostufen, Steuerstufen oder ein Tarif, der ab einer Grenze einen anderen Preis hat.

Weiterführende Aufgaben

  1. Sucht eine echte Preistabelle mit Stufen (Porto, Parkgebühren) und zeichnet den zugehörigen Graphen. Markiert jede Sprungstelle.

Verwandte Themen